Arzneimittel aus dem Internet

Im Internet kann man heute alles kaufen, natürlich auch Arzneimittel, aber der Arzneimittelkauf im Internet birgt erhebliche Risiken. Arzneimittel sind Waren besonderer Art, deshalb dürfen Sie in Deutschland nur über Apotheken bezogen werden und unterliegen besonderen Vorschriften. 

Das hat seinen Grund.

Arzneimittel sind für Kranke entwickelt worden und auf bestimmte Leiden zugeschnitten. Präparate, die einem Kranken helfen, können bei einem anderen oder bei einem Gesunden tödlich sein. Deshalb braucht man für viele Medikamente eine ärztliche Verordnung und in jedem Falle eine fachkundige Beratung, die Sie nur in Ihrer Apotheke erhalten. Die kann das Internet in der Regel nicht bieten.

Testbestellungen verschiedener Organisationen (s.unten) haben immer wieder gezeigt: die Online-Bestellungen können zum Russischen Roulette werden. Häufig fehlen bei den Arzneimitteln die Originalverpackungen sowie die Packungsbeilage oder die Schachtel ist mit einem neuen Etikett versehen oder der Beipackzettel und die Packungsaufschriften sind fremdsprachig. 

Doch damit nicht genug: Oftmals mußten  auch gravierende Qualitätsmängel festgestellt werden. So war das Verfallsdatum abgelaufen oder der auf der Packung angegebene Arzneistoff stimmte nicht mit dem in der Tablette überein.

Überdies öffnet der Versandhandel über das Internet Arzneimittelfälschungen Tür und Tor. Nach Schätzungen von Experten sollten weltweit ca. 10 % aller auf dem Markt befindlichen Arzneimittel gefälscht sein. Bestenfalls wirken sie nicht, schlimmstenfalls töten sie denjenigen, der sie nimmt. Über das Internet ist die Verbreitung solcher Mittel zum Kinderspiel geworden. Niemand kann Ihnen sagen, ob die bestellten Arzneimittel  aus sicherer Quelle stammen und niemand haftet dafür, wenn  der Versender irgendwo im Ausland sitzt.

Besonders gefährlich ist der Bezug sogenannter Lifestile-Medikamente über das Internet. Im einfachsten Fall sind es unwirksame, dafür aber maßlos überteuerte Präparate. Man denke nur an die zahllosen vermeintlichen Schlankheitsmittel, die für viel Geld Schlankheit ohne weniger zu essen verheißen, aber dieses "Wunder" objektiv nicht bewirken können. Da einzige, was schrumpft, ist der Geldbeutel, insofern richten sie zumindest keinen gesundheitlichen Schaden weiter an. Weit gefährlicher wird es, wenn hochwirksame Arzneimittel, die in Deutschland strenger Rezeptpflicht unterliegen, mit falschen Anwendungsgebieten angeboten werden. Man denke nur an solche hochwirksamen Hormone wie DHEA, das im Netz als "Wundermittel" gegen das Altern,, zur sexuellen Luststeigerung und sogar gegen Krebs angeboten wird oder Melatonin zur Steigerung der körpereigenen Kraftreserven usw. Informationen darüber, daß ein unsachgemäßer Eingriff in den Hormonhaushalt katastrophale Folgen haben kann, sucht man vergeblich, ebenso den Hinweis, daß viele dieser Mittel in Deutschland überhaupt nicht zugelassen sind, weil noch unzureichend erforscht oder einfach zu gefährlich.

Hauptzielgruppe sind die jungen, neugierigen Internet-Surver, die besonders empfänglich für solche Wundermittel sind, sei es, um dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen oder mit vermeintlich einfachen Mitteln zu körperlichem Höchstleistungen oder Wohlbefinden zu kommen. Für die zahlreichen Anbieter im Word Wide Web ist das Geschäft viel zu lukrativ, als daß sie sich um die Folgen für ihre Kunden kümmern. Für die Verbraucher kann es dagegen schnell zu einem Geschäft mit Nebenwirkungen werden, die nicht selten tödlich enden.

Spektakuläre Todesfälle in der Doping- und Bodybuildingszene oder auch der jüngste Tierarzneimittelskandal zeigen immer wieder deutlich, wohin der unkontrollierte Arzneimittelhandel außerhalb der Apotheke führen kann.

Wenn teilweise Arzneimittel billiger als in deutschen Apotheken angeboten werden, bedenken Sie bitte, daß es sich dabei nicht um die deutschen Originalpräparate handelt, sondern im Importe, die Sie auch mit den Preisen der Importpräparate auf dem deutschen Markt vergleichen müssen. Und die bekommen Sie in Ihrer Apotheke in Deutschland in den meisten Fällen billiger, ohne sich den genannten Gefahren auszusetzen..

Daher gilt: Bleiben Sie auf der sicheren Seite! Wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie krank sind oder medizinischen Rat benötigen.

Arzneimittel aus dem Internet können nicht nur teuer werden, sie kosten möglicherweise das, was sie normalerweise erhalten oder wiederherstellen sollen: Ihre Gesundheit.

Vor dem Arzneimittelkauf im Internet hat jetzt auch die Stiftung Warentest gewarnt:

Russisch Roulette mit @rzneien

Arzneien online zu bestellen ist einfach: Gewünschtes Medikament in eine Suchmaschine eingeben, Klick - und schon steht die Tür zum weltweiten Pharmamarkt offen. Keine Rezeptpflicht, keine lästigen Fragen von Arzt oder Apotheker. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Apothekenpflichtige Mittel einzuführen, ist für Privatpersonen verboten - und lohnt oft sowieso nicht. Die STIFTUNG WARENTEST hat 22 Medikamente bei 16 Anbietern in Australien, Neuseeland, der Schweiz und den USA bestellt: Die Preise sind hoch, Informationen dagegen Mangelware. Auf dem Spiel steht die Gesundheit.

Mangelhafte Information

Bei einigen Anbietern entscheiden "Online-Sprechstunden" (Fragebögen) darüber, ob virtuell ein Rezept erteilt wird. Eine Farce: Ein Rezept gibt es immer, egal welche Krankheiten angegeben werden. Beispiel: Viagra bei Herzkrankheit, was die Einnahme lebensgefährlich macht.

Damit das Paket nicht im Zoll hängen bleibt, werden die Pillen oft in Plastiktüten umgepackt. Ein deutscher Beipackzettel ist fast nie dabei. Die meisten Infos sind auf englisch, unvollständig, manchmal sogar selbst getippt. Nebenwirkungen und Gegenanzeigen werden kaum genannt.

Enorme Preise

Die Preise schwanken stark. Zum eigentlichen Preis für das Medikament kommen meist enorme Beratungs- und Versandgebühren und machen die Pharmaware konkurrenzlos teuer. So kostete bei der Stichprobe der STIFTUNG WARENTEST das Mittel Retin-A (gegen Akne) 214 Mark - und damit das 17fache des deutschen Apothekenpreises! Und wenn der Zoll die Fracht beschlagnahmt, ist beides weg: Geld und Medikament.

Tipp

Wenn Sie als Privatperson apothekenpflichtige Mittel einführen, begehen Sie eine Ordnungswidrigkeit, bei größeren Mengen sogar eine Straftat. Ein weiteres Risiko: Medikamente können gefälscht oder verunreinigt sein. Besorgen Sie sich Ihre Arzneien also lieber auf legalem Weg: Sie können fast alle in Deutschland nicht verfügbaren Mittel - gegen Rezept - über jede Apotheke bestellen.

Benutzerleitfaden

Nicht nur deutschen Experten bereitet der Internethandel mit Arzneimitteln Sorge, auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Problem erkannt und einen Leitfaden für den Internet-Nutzer erstellt. Er enthält Anhaltspunkte, wann der Surver stutzig werden sollte:

  • Es werden Phrasen wie "wissenschaftlicher Durchbruch", "Wundermittel" und "Geheimformel" verwendet.
  • In Erfahrungsberichten erzählen zufriedene oder "geheilte" Kunden von ganz unglaublichen Ergebnissen.
  • Ein einziges Mittel hat ein unglaublich breites Wirkungsspektrum: es wirkt z.B  gegen AIDS, Krebs, Alzheimer, Falten und Übergewicht.
  • Es wird behauptet, daß das Produkt nur hier und nur für begrenzte Zeit erhältlich ist.
  • Zitate von "berühmten" Ärzten sollen das Produkt aufwerten.
  • Risiken und Nebenwirkungen werden heruntergespielt oder gar nicht erst erwähnt.
  • Die Behauptung, die Wirkung des Mittels sei "wissenschaftlich erwiesen" und es sei "absolut sicher", sollte ebenfalls jeden stutzig machen. 

Diese Checkliste ist nicht nur für das Internet nützlich, auch immer wieder auftauchende, oftmals großformatige Zeitungsangebote sollten daraufhin abgeklopft werden. Nehmen Sie einmal eine Werbung für Schlankheitsmittel aus einer Tageszeitung der letzten Zeit und vergleichen Sie diese mit den oben genannten Punkten. Sie sollten stutzig werden.

Der Internethandel ist länderübergreifend und kann deshalb nur mit internationalen Gesetzen geregelt werden. Diese gibt es bis heute nicht. Bis dahin bleibt es dem Verbraucher selbst überlassen, kritisch abzuwägen, ob ihm der Arzneimitteleinkauf im Internet nicht zu viele Nebenwirkungen hat.

Krankenkassen: Vorsicht bei Gesundheitsberatung via Internet

Vor unkalkulierbaren Risiken bei der Gesundheitsberatung über das Internet haben Schleswig-Holsteins Ersatzkassen gewarnt. "Die Informationen und Beratungen über verschiedene Krankheiten, deren Erkennen, Diagnostik oder Therapie bergen große Gefahren in sich, wenn dazu auch noch eine Selbstdiagnose oder gar eine Selbsttherapie angeboten wird", sagte Ersatzkassensprecher Lothar Thormählen in einem dpa-Gespräch. "Informationen aus dem Internet können den Arztbesuch nicht ersetzen, eignen sich aber gut zur Vorbereitung eines Arzttermins", meinte Thormählen. "Davon profitiert nicht nur der Arzt, sondern auch der Patient."

Die Ersatzkassen warnten auch davor, Name und Anschrift allzu leichtfertig den Internetanbietern zu überlassen. "Es besteht kein Datenschutz, sodass man mit einer Flut von Werbung von Gesundheitsanbietern rechnen muss", sagte Thormählen. "In Notfällen ist nicht der Computer, sondern der Arzt des Vertrauens oder sogar der Notarzt gefragt." Hier sei es lebensgefährlich, sich die Informationen vom Bildschirm zu holen.

Die Internetbenutzer sollten auch darauf achten, dass die Informationen allgemein verständlich aufbereitet sind, riet der Kassensprecher. "Medizinisches Fachchinesisch kann leicht zu fatalen Missverständnissen führen." Bei der Gesundheitsberatung sollten außerdem die Gesundheitsinformationen im Mittelpunkt stehen und nicht die Werbung für ein Produkt. Thormählen zufolge gibt es auch Anbieter, die die Berechnung von Überlebenswahrscheinlichkeiten anbieten. "Die Ersatzkassen halten solche Informationen für ausgemachten Humbug." Krankheitsverlauf und Heilungschancen hingen von vielen verschiedenen Faktoren ab. (dpa) / (jk/c't)(Quelle: heise.de)

Sozialministerin: Internethandel von Arzneimitteln birgt Risiken

Unkalkulierbare Risiken sieht Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) im Internethandel von Arzneimitteln. "Das Hauptrisiko online-bestellter Arzneimittel liegt in der unbekannten Herkunft und Zusammensetzung. Nach Mitteilung der Weltgesundheitsbehörde (WHO) sind zehn Prozent der Arzneimittel im Versandhandel gefälscht." In Ländern wie Indien sollen sogar 30 bis 50 Prozent der Arzneimittel Fälschungen sein, sagte die Ministerin am Donnerstag in München. Es sei bisher unklar, wie der Schutz des Verbrauchers vor Irreführung, falschen Versprechungen oder beim Auftreten von Arzneimittelrisiken bei einem Direktvertrieb über das Internet sichergestellt werden könne. "Wie lange würde es dauern, bis die Empfänger solcher Arzneimittel über Rückrufe informiert würden, sofern diese Maßnahme im Herkunftsland überhaupt in Betracht gezogen würde", gab Stewens zu bedenken. (netdoktor.de 11.05.01).  

Online-Apotheken
 
Kunden vermissen Beratung

Online-Apotheken sind seit mehr als einem Jahr ein steter Zankapfel zwischen Gesundheitsministerium, Apothekern und ihren Befürwortern. Überraschend skeptisch stehen ihnen scheinbar aber auch die Kunden gegenüber.

Hamburg - Beim Kauf von Medikamenten im Internet ist für viele Nutzer die fehlende persönliche Beratung einer der größten Nachteile. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Online-Abteilung des Marktforschungsinstituts Emnid unter Besuchern der Messe Internet World in Berlin.

Mehr als ein Drittel der Befragten nannte auf Europas größter Internetfachmesse vergangene Woche das Manko in der persönlichen Beratung als Hemmnis Nummer eins. Apotheken genießen mit ihrem geschulten Fachpersonal demnach weiterhin großes Vertrauen.

67 Prozent der Befragten befürworteten aber den Vertrieb rezeptfreier Medikamente und äußerten die Vermutung, dass sich das weltweite Datennetz als Vertriebsweg künftig durchsetzen werde. Für 48 Prozent ist es sogar vorstellbar, dass auch der Vertrieb rezeptpflichtiger Medikamente über das Internet abgewickelt wird. 25 Prozent sehen im Internethandel mit Arzneien die Gefahr der illegalen Beschaffung von Medikamenten.

In der vergangenen Woche hatten sich für drei Tage rund 74.000 Fachleute, Aussteller und Branchenexperten auf der Internet World in Berlin getroffen.

Ein nicht gerade repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt - aber ein hochgradig "Net-affiner". Die Skepsis gegenüber den Online-Apotheken dürfte allgemein noch höher liegen. Das wiederum hat relativ wenig zu bedeuten: Ähnliche Umfragen und Ergebnisse hatte es in den letzten Jahren auch zu Versicherungen, zum Online-Banking oder zur Buchung von Reisen über das Web gegeben. Trotzdem boomen solche Angebote. (SPIEGEL ONLINE - 23. Mai 2001)

Apotheker: Erhoffte Einsparungen durch Web-Pillen "blauäugig"

Die Hoffnung auf drastische Einsparungen mit dem Internet-Handel von Arzneimitteln ist nach Ansicht des Deutschen Apothekerverbandes "blauäugig". Das Wissenschaftliche Institut der AOK hatte berechnet, dass die Krankenkassen mit Medikamenten von der Internet-Apotheke DocMorris zwei Milliarden Mark pro Jahr sparen könnten. "Das ist eine Milchmädchenrechnung", sagte der Verbandsvorsitzende Hermann-Stefan Keller am Dienstag in Eschborn. Die in Holland ansässige Firma DocMorris habe rund 1000 Medikamente vorrätig, eine öffentliche Apotheke dagegen bis zu 12 000. Auch vertreibe die Internet-Apotheke fast ausschließlich teure Arzneimittel mit einem Verkaufspreis von mehr als 100 Mark, die man im Ausland preiswerter kaufen könne als in Deutschland. "Bei gleichen Rahmenbedingungen würde es den deutschen Apotheken keine Probleme bereiten, zu ähnlichen Konditionen wie DocMorris zu liefern", sagte Keller. Dann werde es aber auch keine Nacht- und Notdienste, keine Individualrezepturen und keine sofortige Lieferung der Medikamente mehr geben. (netdoktor.de 14.06.01)

Apotheker: Jede zweite Internet-Arznei gefälscht

HANNOVER (dpa). Die Zahl der gefälschten Medikamente aus dem Internet steigt von Jahr zu Jahr an und selbst die Angst vor der Schweinegrippe nutzen Arzneimittelfälscher aus: Im Internet werden nach Angaben von Apothekern seit Beginn der Erkrankungswelle verstärkt Plagiate des Grippemittels Tamiflu® angeboten, die wirkungslos oder sogar gesundheitsschädigend sein können.

Die niedersächsische Apothekerkammer hat deswegen am Donnerstag Alarm vor gefälschte Pillen aus dem Internet gewarnt. "Über 50 Prozent der über das Internet vertriebenen Medikamente sind inzwischen Fälschungen. Wir fordern fälschungssichere Arzneimittel-Verpackungen", sagte die Präsidentin der Apothekerkammer, Magdalene Linz.

Für behördlich registrierte Versandapotheken gibt es bislang bereits ein Sicherheitslogo des Instituts für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Wer das orange Logo auf der Webseite einer Versandapotheke anklickt, gelangt zu den Eintragungen im DIMDI-Register. Wer Angst vor gefälschten Logos hat, kann auch das DIMDI-Register selbst einsehen (https://versandapotheken.dimdi.de).

Verbraucherschützer raten zudem, auf Angaben zu Adresse, Telefonnummer, allgemeinen Geschäftsbedingungen und zuständigen Aufsichtsbehörde zu achten. Außerdem sollte es eine Beratungshotline geben und die Bestellung verschlüsselt erfolgen.

Die Gewinne aus dem Geschäft mit gefälschten Pillen sind nach Auskunft von Experten des niedersächsischen Landeskriminalamtes um ein vielfaches höher als beispielsweise bei Rauschgift. So könnten kriminelle Hersteller und Händler mit einem Kilo Viagra® das 1600-fache des investierten Geldes verdienen. Der Fall eines jungen Mädchens aus Hannover, das 2008 an einem illegalen Schlankheitsmittel aus dem Internet gestorben war, veranlasste die Fahnder, diesen Bereich verstärkt unter die Lupe zu nehmen.

"Das ist ein irrsinnig lukratives Geschäft. Und das einzige, was sie zum Bestellen auch von verschreibungspflichtigen Arzneien im Internet brauchen, ist eine Kreditkarte", sagte Professor Harald Schweim aus Köln, der sich seit langem mit Arzneimittelfälschungen befasst.

Beim Zoll macht die Anzahl der Verfahren wegen der Einfuhr von illegalen Medikamenten aus dem Ausland inzwischen fast ein Drittel der gesamten Arbeit aus. Bundesweit wurden 2008 rund 4,8 Millionen illegale Tabletten vom Zoll beschlagnahmt. "2009 sind die Zahlen erneut gestiegen", sagte Zollfahnder Wolfgang Schmitz. Er beobachtet, dass die Fälschungen inzwischen auch vermehrt innerhalb von Deutschland selbst hergestellt werden. So sei in Hessen erst kürzlich im Keller eines Einfamilienhauses eine riesige Produktionsstätte entdeckt worden. (Ärzte Zeitung online, 28.01.2010)

Online-Handel mit gefälschten Arzneimitteln steigt

Der illegale Handel mit gefälschten Medikamenten im Internet nimmt zu. Verbraucher können kaum unterscheiden, was echt ist und was Fälschung.

BERLIN (sun). Jedes zweite im Internet gekaufte Medikament ist laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Fälschung. Allein im vergangenen Jahr hat der deutsche Zoll zehn Millionen gefälschte Tabletten beschlagnahmt.

Der Anstieg der sichergestellten gefälschten Arzneimittel sei "dramatisch", sagte der Sprecher des Zollkriminalamtes, Wolfgang Schmitz, in Berlin. 2006 habe der Zoll etwa drei Millionen Tabletten sichergestellt, 2010 waren es bereits zehn Millionen.

Organisierte Kriminalität vermutet

Und das sei lediglich die "Spitze des Eisbergs": Inzwischen müsse man von einer "organisierten Kriminalität" sprechen, warnte Schmitz. "Arzneimittelfälschungen sind allerdings oftmals gar nicht so viel günstiger als die Originale", so Schmitz.

 Gefälscht würden vor allem sogenannte "Lifestyle-Produkte" wie Schlankheits- oder Potenzmittel.

Auch rezeptflichtige Medikamente bleiben nicht verschont

Aber auch rezeptpflichtige Medikamente blieben nicht verschont: Inzwischen würden auch Mittel zur Therapie von Krebs, HIV, hohen Cholesterinwerten, Alzheimer oder Bluthochdruck gefälscht, ergänzte Pfizer-Sprecher Martin Fensch.

Und zwar nicht nur Originalpräparate, sondern auch Generika.

Bereits giftige Substanzen in gefälschten Arzneimitteln gefunden

"Und der Verbraucher kann nur schwer unterscheiden, was echt und was gefälscht ist", so Fensch. Das könne möglicherweise schwerwiegende Folgen haben: Denn gefälschte Medikamente könnten keinen, zu wenig, zu viel oder den falschen Wirkstoff enthalten.

Das habe zur Folge, dass beispielsweise der Blutdruck nicht gesenkt werde. Schlimmer sei aber noch, dass bereits giftige Substanzen in Arzneimitteln gefunden worden sind.

Wachsamkeit beim Kauf im Internet

Schmitz riet dazu, Medikamente in der Apotheke zu kaufen: In der regulären Lieferkette - Hersteller, Apotheker, Arzt - betrage der Anteil gefälschter Arzneimittel in Deutschland etwa ein Prozent.

Beim Kauf von Arzneimitteln im Internet riet Schmitz zu Wachsamkeit: Internetseiten vieler Fälscher sähen seriös aus. Es sei aber - selbst für Experten - nur schwer zu erkennen, ob es sich um illegale Angebote handle. Es werde Originalware versprochen, geliefert würden aber Fälschungen. (Ärzte Zeitung, 05.10.2011)

 

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